Samstag, 25. September 2021

25.09.2021 Die Woche nach unserem Wanderurlaub

Hi Freundinnen und Freunde, 

die Wanderwoche ist so schnell vorbei gegangen, und die Woche danach auch! 
Ich musste erstmal wieder zu mir kommen. Und ausruhen. Und viel schlafen. So richtig kam ich gar nicht in die Gänge. 

Dinkelnudeln mit Aubergine, Champignons, Paprika, Zwiebeln, Öl und viel Knoblauch: 



Tags darauf: die gleichen Dinkelnudeln gebraten mit Champignons, Zwiebel und Zucchini: 

Graupeneintopf:


Gebratener, frischer Tofu Natur mit Champignons, Lauch und Feigen:




Flip war da: heute kam uns ein Grashüpfer besuchen. Wir haben ihn vor unserer Fliegengittertür gerettet, nicht, dass er hängen bleibt. Ich glaube, das Tier möchte ein Ei legen. Oder zwei oder drei. Oder hunderte. Es hat einen Legestachel, glaube ich. Dann wäre es ein Grashüpfermädchen. Aber sicher bin ich mir nicht. 



Risotto mit Bohnen, Räuchertofu, Knoblauch, Zwiebeln, Alpro Sojacuisine und gehackten Tomaten (Dose): 



Vorgestern habe ich gegen Mittag bei Kokku-Online bestellt (mein Milchpulver für unterwegs war leer, ich bin quasi trockengefallen) und gestern kam schon die Lieferung! 
Das ist schnell! 
Erstmalig war in meiner Bestellung der vegane Speck von Vivera enthalten, den ich durch meine Freundin A. kennen- und lieben gelernt habe:
Ich denke, wir sind momentan gut mit allem versorgt. 


Anlässlich unserer erfolgreichen Pilgerreise haben wir meine Freundin A. zum Essen eingeladen. 
Wir sitzen im Von & Zu in Bonn und essen zwei vegane Vorspeisenteller und Pizzen. 
Der Mann aß eine vegane Pizza mit frischen Pfifferlingen und Zwiebeln, ich wählte wie meist die vegane Spinat-Knoblauch-Pizza. Meine Freundin hatte auch eine Pfifferlingpizza, aber die reguläre. 





Schaut mal, das hat mir meine Freundin geschenkt! Minions, mit Peacezeichen und vegan sind sie auch! Ferner selbstgemachtes Quittengelee und ein kleines, sehr leichtes 'Tabletten-Handtuch'. Nass machen - zack: Handtuch, 30 x 30 cm. 


Und hier ist der Lavendelsirup, den ich zusammen mit anderen Geschenken für meine Freundin und mich zugesandt bekommen habe: 




Das gab es vorhin, die Bockwurst von Veggyness. Mit bayerischem, noch warmem Kartoffelsalat (Brühe/Essig-Öl). Der Senf ist von Löwensenf, der extra scharfe. :


Das war es von hier, liebe Lesende. Ich schleiche nun weiter durch die Tage und fühle mich dabei sicher noch etwas verloren. 
Macht es gut! Bleibt dran und mir gewogen! 

24.09.2021 Linksrh. Jakobsweg, Etappe 12 von Trechtingshausen nach Bingen

Liebe Freunde, 

dies ist die Fortsetzung unserer Wanderung auf dem linksrheinischen Jakobsweg bis nach Bingen. Die vorherige Etappe ist hier abgelegt


18.09.2021 Letzte Etappe 12 von Trechtingshausen nach Bingen 
Ist-Angaben: 12,9 Kilometer, 219 Meter hoch, 203 Meter runter

Mein Morgen begann, wie der letzte Tage endete, mit Migräne. Immer noch. Ich konnte lediglich eine Scheibe Vollkorntoast essen und Kaffee trinken. Und meine Medikamente nehmen.
Wir packten unsere sieben Wandersachen zusammen und brachen zur letzten Etappe auf. 

Ein Bewohner hatte auf seiner Terrasse an der Stadtmauer, direkt an den Gleisen, seinen eigenen kleinen Zug fahren lassen. Wir mussten pfeifen und dann setzte sich der kleine Zug in Bewegung. Das fanden wir sehr niedlich. Ich glaube auch, dass ich "Tuuuut tuuuut" gesagt habe. Kennt mich ja keiner, in Bacharach. 


Hier auf dem Bild unten sieht man ganz links eine Flasche stehen. Das ist Lavendelsirup! Die Töchter des Mannes mit der Lokomotive verkaufen Bioweine, Lavendelsirup und mehr. 

Lavendelsirup, kreisch!! Ich bringe mich um für Lavendel. Ich bin ein ganz schlimmes Lavendelopfer. 
Leider konnten wir diese Flasche nicht kaufen und mitnehmen, viel zu schwer. 
(Das war im Nachhinein nicht schlimm, weil wir kurz nach unserer Rückkehr zu unserer totalen Verblüffung ein Paket mit eben dieser Flasche und einigen anderen tollen Dingen geschenkt/geschickt bekamen. Ein äußerst lieber, feiner Mensch aus Bacharach wollte uns eine Freude machen, hat geklappt, und wie!)


Mit dem Zug sind wir von unserer Unterkunft in Bacharach zurück nach Trechtingshausen gefahren und dort losmarschiert.



Ich war überaus besorgt; wenn ich Migräne habe, wandere ich nicht. Dann mache ich ziemlich gar nichts. Soll man auch nicht. 
Aber Bingen wartete auf uns. Ich wollte hier nicht abbrechen und die letzte Etappe irgendwann nachholen. Ganz davon abgesehen bin ich es sehr leid, dass mir meine Migräne diktieren möchte, wie ich zu leben habe. Diese Erkrankung darf nicht die Oberhand gewinnen. 

Wir wollten in flachen Bereichen bleiben, ganz langsam gehen und nicht die Höhen des Jakobsweges mitnehmen, damit ich durchhalte.

Die B9:


Die Burg Reichenstein aus dem 11. - 12. Jahrhundert. Hier irgendwo hätten wir hoch gehen sollen. 


Sieht toll aus, was! Imposant! 


Wir gingen erstmal zum Rhein. 


Die Sankt Clemens Kapelle: 



Und zack, die nächste Burg. Das Burgenvorkommen ist unglaublich. Egal, wohin du guckst - Burgen, Schlösser. Hier überall hätten sie Teile von Game of Thrones drehen können. Da wäre nicht viel umzubauen gewesen. 



Als wir unten an der ersten Burg vorbei liefen und wussten, das wäre unser Weg gewesen, fühlte ich mich gar nicht gut. Irgendwie falsch. Ich meinte, ich müsste auch da oben sein.
Knapp einen Kilometer weiter tauchte schon die nächste Burg auf, und wir entschieden uns, es doch zu versuchen und aufzusteigen. 
Ein Burgmitarbeiter erklärte uns, wie wir gehen müssen. Er war richtig enttäuscht, dass wir die Burg selbst nicht genauer unter die Lupe nehmen wollten und meinte: "Bitte kommt bald wieder, die Burg angucken!"
Das haben wir ihm versprochen. Wir müssen ohnehin noch mal in diese Region fahren und Diverses angucken. Die Besichtigung von vielen Sehenswürdigkeiten ist viel zu kurz gekommen, in den letzten Tagen. Dafür war nie die Zeit. Die vielen Orte, Burgen und Schlösser verdienen unsere ganze Aufmerksamkeit und Hinwendung. Deswegen werden wir zurückkehren. 






Nun waren wir doch wieder auf unserem Jakobsweg. Mein Kopf fühlte sich immer besser an. Am Rhein entlang wäre es flach gewesen, keine Frage, Aber wir wären die ganze Zeit in der schönen Sonne gelaufen. Das kann auch nicht gut sein.


Hier (s. u.) mussten wir nicht hoch, gottseidank! Nur vorbei. 



Das Schweizerhaus! Unsere Rettung. 
Wie so oft mit grandioser Aussicht und netten Leuten. Hier kann man sich nur etwas zum Trinken bestellen. Sie bieten kein Essen an - aber man darf sich etwas mitbringen und dort verzehren. Das ist gut. Ich kenne das nur aus Bayern. 
 


Von diesem Platz aus haben wir das allererste Mal unser großes Ziel, Bingen, gesehen. Wie motivierend! Nur gut, dass wir aufgestiegen sind. Alles hat seinen Sinn. Immer. 



Kräutertee. Solide ist mein zweiter Vorname. 


Da ist es, unser Ziel. Noch weit entfernt aber mit bloßem Auge waren Bingens Kirchtürme erkennbar. 


Bis dahin waren es noch ein paar Kilometer. Viel durch schattigen Wald. Meine Vorhut machte den Weg für mich klar. 



Es rückt näher:



Dieses alte Bauwerk gehört zur Jugendherberge Bingerbrück.





Wir mussten den Wald verlassen und über eine Brücke die Zuggleise überqueren. 
Scheint, als hätte uns das normale Leben wieder. 


Von der Nahebrücke aus bot sich ein schönes Panorama auf Bingen (die Nahe mündet in Bingen in den Rhein):



Die Basilika St. Martin: 


An dieser Stelle habe ich Outdoor Active ausgeschaltet und das Ende unseres kleinen Pilgerabenteuers verkündet. Wir hätten regulär noch zur Burg Klopp hoch gemusst, Sitz der Stadtverwaltung Bingen. Das haben wir aber gelassen, ich hatte mir an diesem Tag genug zugemutet. 
Ich war sowieso happy, dass sich mein Kopf ruhig verhielt. Das hätte ich morgens noch nicht zu hoffen gewagt. 

Was unsere Ankunft angeht: wir waren enttäuscht. Wir fühlten uns leer und die vielen Menschen in der Stadt, die am Samstag Nachmittag rege hin und her liefen und shoppten und flanierten, rissen uns unsanft aus unserer beschaulichen und recht ruhigen Zeit. Für uns war das ein krasser Gegensatz; die herrliche Natur, die vielen Stunden der Einsamkeit in den Wäldern und Feldern. Die kleinen, verträumten Örtchen. Und plötzlich tobte das pralle Leben. Laute Musik dröhnte weithin hörbar, ein Verein animierte die Passanten, mit Hula-Hoop-Reifen zu den Rhythmen zu tanzen. 

Das alles war ein sehr harter Kontrast zu unseren letzten Tagen. Einen Stempel für unser Pilgerbüchlein konnten wir auch nicht ergattern - die Touristinfo hatte längst geschlossen, die uns vorliegenden Zeiten aus den Updates zum linksrheinischen Jakobsweg waren falsch. 

Meine Freundin bat dann in einer Bäckerei um einem Stempel. Wir dachten natürlich an einen Geschäftsstempel, aber der sehr nette Bäcker ging in seine Privaträume hoch und brachte einen persönlichen Adressstempel von ihm. Zur Not geht das auch. Hauptsache, die Dokumentation ist gesichert. 

Zu gern wären wir mit einem Schiff zurück nach Bonn gefahren. Aber die Strecke ist viel zu lang. Ein Schiff würde ewig lange brauchen. Wir wären glatt einen ganzen Tag unterwegs. Das wird auch nicht angeboten, die Schiffe fahren maximal bis Koblenz. Da kann man mal sehen, wie weit wir gekommen sind. 

So sind wir nach einem schnellen Kaffee mit dem Zug nach Hause, nach Bonn gefahren. Der Zug brauchte über zwei Stunden. Das Schöne war, dass wir in diesen zwei Stunden viele Stationen unseres Jakobswegen sehen konnten. Die Orte flogen an uns vorbei und uns erfasste eine große Wehmut. Und sehr viel Stolz, dass wir diesen langen Jakobsweg geschafft haben. Mit der einen oder anderen Widrigkeit, aber wir haben es gepackt. We made it. 

Meine Freundin ist längst angefixt, was Fernwanderungen und Pilgerreisen angeht. Anfangs noch skeptisch, plant sie bereits an weiteren Touren. 
Sie hat Blut geleckt, sozusagen. 




Das ist aber auch toll, von Ort zu Ort zu wandern und ein Ziel vor den Augen zu haben. Die tägliche Struktur tat uns gut. Früh aufstehen, duschen, anziehen, packen, frühstücken, wandern. 
Wandern, Jacke ausziehen, wandern, Pulli ausziehen. Pause machen, essen. Strecken. Wandern. Irgendwann ankommen. Stempel suchen. Café suchen. Kaffee trinken. Freuen. Ins Hotel schleppen. Essen gehen. Ins Hotel zurück. Ein paar Sachen waschen. Ausziehen, schlafen. Und so fort. 




Jeden Tag. Dazwischen: viel lachen, sehr viel schweigen, nette Leute kennenlernen. Anstrengen. Verausgaben. Merken, dass der Körper wunderbar funktioniert (meistens..) Nachdenken, nachsinnen. Genießen. Ein wenig stöhnen. Wir fühlen jeden Muskel und jede Sehne. Sich an Kleinigkeiten erfreuen, an ganz einfachen Dingen. Hilfe erfahren. Tipps bekommen. Wieder erleben, dass der Mensch gut ist und wir alle ein Löffel voll des gleichen Puddings sind. An Blumen riechen. Bauwerke bestaunen. Tiere erleben in ihrem natürlichen Habitat. Das Gesicht in die Sonne strecken. Träumen. Orte erreichen und wieder verlassen. Und immer weiter gehen, weiter und weiter. 


Ich danke Dir liebe A., bester roter Käfer ever, von Herzen für dieses intensive, gemeinsame Abenteuer in Landschaften, die romantischer nicht sein könnten. Auf weitere Abenteuer mit Dir! 
So weit die Füße tragen.




Zwei wichtige Artikel: 

Das Buch zum linksrheinischen Jakobsweg und das kleine Massagebällchen aus Kork. 






Vielen Dank für Euer Interesse an unserer Pilgerreise! 

Bleibt fröhlich, gesund und 'buen camino'!