Sonntag, 13. Oktober 2013

12.10.13 Der Mann, mein Chuck Norris

Es hat mich viel Überredung, betteln und noch mehr *liebguck* gekostet, um Euch folgende Story erzählen zu dürfen.

Als treue Leser wisst Ihr, dass wir gerade umfassend meine Wohnung renovieren. Seit gestern finden bereits Besichtigungen durch potentielle Mieter statt.

Der Mann war gestern nach den Besichtigungen allein in der Wohnung und probierte die neuen Zimmertüren an. Durch das geänderte Niveau aufgrund der neu verlegten Fliesen und des Laminats müssen die Türen gegebenenfalls unten abgehobelt werden.

Der Mann schnappt sich also eine der Türen (mit Schloss aber noch ohne Klinke) und hängt sie in das Zargenscharnier in der Küche an. Er geht in die Küche rein, betrachtet die Tür oben und unten, schwenkt sie vorsichtig über den Boden ob sie schleift und drückt sie probehalber zu. Geht. Flutscht ins Schloss. Super. Hey, die Tür passt perfekt! Kein Abschleifen nötig (die kleine Frau wird glücklich sein und mich lieben)!
Da ist die Freude groß!

Mit der Freude ist es allerdings ganz schnell vorbei als der Mann die Tür wieder öffnen will...
Ähhhh, wie öffnen??! Keine Klinke...!
Weiteres Problem: kein Werkzeug vorhanden, der Werkzeugkasten liegt im Flur. Ganz nah und doch so fern. Kein Handy. Kein Haustürschlüssel. Keine stets hilfreiche kleine vegane Frau in der Nähe.
Der Mann sitzt in der Falle.
Ich hätte mich an seiner Stelle steif vor Entsetzen gemacht, wäre nach hinten gekippt und spontan verstorben. Vorher hätte ich noch ein bisschen leise geweint.

Der Mann nicht. Das ist ein harter Hund. Der macht das Küchenfenster auf, nimmt den kleinen Tritt  - der stand wenigstens noch in der Küche, klettert aus dem Fenster auf den Laubengang, hebt den Tritt mit rüber, geht zu Nachbarn, kommt mit Werkzeug zurück und klettert wieder mit der Trittleiter durchs Fenster zurück in die Küche. Dort kann er dann mit zwei Schraubendrehern das Vierkantteil des Schlosses drehen und ist frei.
Ob er den Flurboden geküsst hat weiß ich nicht. Der erzählt mir nicht alles. Ich hätte es getan. Zehnmal.

Erst wollte er mit seinem Missgeschick nicht herausrücken. Zu peinlich für einen echten Mann.
Dabei ist das nicht schlimm, nur lustig.... Okay, ich kann gut unken, ich war nicht gefangen.
Ich bin froh, dass die Küche ein Fenster laubengangseitig hat. Wäre er im Bad gewesen: ganz schlecht! Kein Fenster.
Und, dass aufmerksame Nachbarn von gegenüber nicht die Polizei gerufen haben wegen eines vermeintlichen Einbruchs. Ein Mann, der durch ein Fenster einsteigt, bedeutet selten etwas Gutes. (Es sei denn, er kommt aufgrund der Kerze, die man als geheimes Zeichen ins Fenster gestellt hat. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.)

Nur gut, dass ich den Mann nicht nach Tagen vertrocknet in der Küche auffinden muss. Denn die Arbeit ist noch nicht getan: die Heizkörper müssen noch abgeschliffen und gestrichen werden. Auch die neuen Steckdosen und Lichtschalter müssen montiert werden und Abdichtungen mit Silikon und Acryl in Bad und Küche fehlen noch. Da ist noch einiges zu tun...

Nein Quatsch, der arme Kerl. Der tat mir richtig leid. Um ihn zu trösten, habe ich ihm die Trüffel aus der Vegan-Box überlassen. Und den Energieriegel.
Und den tapferen Held (Bonns Antwort auf Chuck Norris) mit Kürbissuppe und Rotweincreme daheim erwartet. Nun ist sein Seelenzustand wieder einigermaßen stabil.
Gestern im Bett beim Nachtsagen habe ich mich noch totgelacht, ich versuchte es zu unterdrücken, ehrlich. Das hat ihn leider wieder etwas aus der Kurve getragen.


Falls sich noch weitere Dramen in der Wohnung abspielen - ich werde berichten, bleibt dran und mir gewogen!

hinter dem linken Fenster spielte sich von der Außenwelt unbemerkt ein Drama ab

der Ort des Grauens, die frisch geflieste Küche (ja doch, ich muss noch putzen)

Kommentare:

  1. Bei "nimmt den Tritt, klettert aus dem Küchenfenster" sah ich ihn schon gedanklich an der Hauswand entlang hangeln...

    Lieber Herr Blaubehimmelt, das ist ganz und gar keine peinliche Geschichte. Echte Männer sind eben die, die sich auch aus solchen Situationen zu befreien wissen!

    Herzliche Grüße von Sandra

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    1. liebe Sandra, ich soll Dir ausrichten, Du hättest seine volle Sympathie!

      (Er strahlt. Für so ein Strahlen muss ich lange kochen, Du machst das mit einem Satz!)
      Liebe Grüße
      Susi

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  2. Herr Blaubehimmelt,

    Chuck Norris UND MacGyver wären erblasst vor Neid! ;)

    Liebe Grüße

    Jackie

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    1. So in der Art dachte er sich das auch.
      Sei bedankt liebe Jackie, der Mann wächst stündlich!
      Ich richte ihm gerne alles aus. Er sonnt sich in dieser weiblicher Anteilnahme, mal aus anderen Richtungen. Verdient, verdient!
      :-)
      Liebe Grüße Susi

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