Sonntag, 16. Juni 2013

16.06.13 Entscheidungen die man fällen muss



Wie mit (omnivorem) Besuch umgehen?

Nach langem Ringen (über Monate) habe ich mich entschieden, bei Besuch von Omnis das anzubieten, was die gern essen oder sich wünschen. Nach langem Abwägen von Für und Wider.

Letzte Woche war es etwas Fleisch für den Sohn zum Grillen und kommende Woche bekommen wir Besuch von zwei Freunden zum Brunch.
Seit vielen Jahren treffen wir uns regelmäßig in einem alternativen Lokal zum Brunchen, nun kann ich da leider kaum noch was zum Essen finden. Also haben wir uns seit fast 6 Monaten nicht mehr getroffen. Das ist doch traurig. Aus diesem Grunde haben wir überlegt, dass wir bei uns brunchen. Hauptsächlich gibt es meine veganen ultraleckeren Sachen, aber ich werde auch etwas Wurst anbieten, ich habe beide Gäste schon befragt was sie gern mögen.

So können sie vollkommen ungezwungen mein Essen probieren und haben mit ihrer Wurst trotzdem ihre gewohnte sichere Seite und fühlen sich wertgeschätzt.
Unveganes wie Käse, Eier und Räucherfisch gibt es sowieso, der Mann als Pescetarier isst das auch.

Ich kann nun mit dieser Entscheidung gut leben. Ich mag niemandem meinen Lebensstil aufdrücken. Gäste sollen sich uneingeschränkt bei mir wohlfühlen. Wenn sie unbeschwert meine veganen Sachen probieren, es als Experiment sehen und es denen schmeckt macht es mich glücklich, keine Frage. Aber am glücklichsten bin ich, wenn sie sich wohlfühlen und sich nicht moralisch bewertet fühlen. Sondern gern wiederkommen. Die leise Hoffnung, dass der eine oder andere sagt, er kommt nur dann wieder, wenn ich meinen "veganen Eiersalat" mache, wird man mir verzeihen können. :-) Ach Mensch, eitel bin ich eben auch.
Bei uns wird auch kein Nichtveganer oder - vegetarierer schlecht gemacht und sein Essen verleidet. Wenn hier ein heiliger Veganer wäre und der würde das Gericht anderer Gäste z.B. mit "Leichenteilen" madig machen und betiteln dürfte der sich gleich verabschieden. Das wird es bei uns nicht geben.

Mann und ich setzen auf Toleranz und wir hoffen, dass das, was wir an Veganem/Vegetarischen anbieten und was den Leuten schmeckt, mehr der Sache dient als Anfeindungen. Ich bin eher der Typ locken statt niedermachen.
Denn niemand von uns ist heilig und keiner braucht den Splitter im Auge des anderen zu suchen. Jeder von uns hat selbst einen Balken im Auge. (Um mal eine christliche Metapher zu bemühen, auch wenn das nicht unbedingt meine Welt ist.)
Einer der Gründe auch, warum ich mich z.B. in Facebook in Vegangruppen immer weniger wohl fühle. Ich bin das alles so leid, das steht mir bis Oberkante Unterlippe.


An diesen Punkt, sich zu entscheiden wie man die Besuchfrage handhabt, kommt wohl irgendwann jeder VeganerIn. Es ist nicht einfach. Man kann nicht 'nichtentscheiden'. Viele würde nie etwas Unveganes dem Besuch anbieten. Kann ich auch nachvollziehen. Bei mir war es auch ein Hin und Her. Ich denke, jeder muss in sich reinschauen und so handeln, dass er sich wohlfühlt.
Mit meiner Entscheidung finde ich mich schon im Widerspruch zu meinem veganen Leben, fühle mich damit aber immer noch besser, als hätte ich mich anders entschieden. Zumindest ist das derzeit so, nicht auszuschließen, dass ich irgendwann anders entscheide.

 
Wie handhabt Ihr das?

Kommentare:

  1. Huhu!

    ich handhabe das ähnlich wie du. Durch meinen Mann (Omni) hab ich ja sowieso auch unvegane sachen im Haus, warum sollte ich die nicht meinen Gästen anbieten. Evtl. wäre es was anderes, wenn ich allein leben würde. Weiss nicht, ob ich dann extra unveganes einkaufen würde.
    Zu meinem Geburtstag gab es nur veganes, hab meinen Gästen aber angeboten, das sie auch was anderes haben können, wollten sie aber gar nicht, was mich sehr gefreut hat...auch das es allen dann so gut geschmeckt hat!

    Grüßle, Jessi

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    1. danke Jessi!
      Noch habe ich keine Meinung dazu, wie es mit Fleisch zubereiten aussieht. Ich möchte es nicht mehr braten oder kochen, nur bereitstellen. Schwierig.
      Liebe Grüße
      Susi

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  2. Hallo Susi,
    ich denke, es ist auch eine Frage des Alters, dass man tolerant ist und von diesem Extremtrip runterkommt, den viele sehr junge Veganer fahren.
    Ich missioniere auch nicht, meine Kinder bekommen bei mir auch Unveganes, wenn auch in Maßen, ich mache es ihnen auch nicht madig, denn das führt nur zu Trotz und Unwohlsein. Ich esse halt nur vegan, und sie fangen an, offener zu werden und auch zu probieren, was mich freut!

    Auch wenn ich mit meinen Eltern (75 und 80 J) essen gehe, kommentiere ich nie die Bulette oder den Mozzarella auf deren Tellern, das empfinde ich als anmaßend und unhöflich. Mich nervt es nämlich auch, wenn mein Essen verbal zerpflückt wird (hab da so eine "nette" Kollegin, die es immer furchtbar wichtig findet, mein glutenfreies Rohkostbrot oder den Quinoasalat zu zerreden!).

    Ich habe daher auch keine veganen Freunde, die wie ich ticken, leider...schade, dass Du so weit weg wohnst, bei Dir würde ich gerne mitbrunchen! :-))

    Allerdings habe ich auch meine Grenzen..ich habe zB ein Problem damit, bei einem Grillfest mitzuessen, weil ich den Geruch des Grillfleisches nicht mag, mir wird richtig übel davon, das geht mir auch bei der Käsepizza meiner Kinder so, wenn die im Ofen ist..und mir tut es im Herzen weh, ein Spanferkel am Spieß zu sehen, da vergeht mir auch der Appetit. Daher meide ich solche Events...

    Liebe Grüße aus Hamburg!

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    1. Hallo Nina, danke schön für Deine Sicht der Dinge.

      Spanferkel kann ich nicht aushalten, konnte ich noch nie sehen. Tier in kleinen Stücken ist nicht weniger tot, trotzdem scheint es leichter aushaltbar zu sein als ein komplettes kleines Tierbaby auf dem Spieß zu sehen. Da kann man sich nichts mehr vormachen, da sind man den Ursprung des Fleisches. Bei großen Grillevents wäre ich deswegen nicht zugegen.
      Im Restaurant halte ich es auch so wie Du. Das mit der Kollegin ist ärgerlich. Sicher wäre sie nicht erbaut, wenn man ihr Essen auseinandernehmen würde.
      Kann ich einfach nicht ab, andere provozieren.
      Bleiben wir fröhlich (und höflich)
      Liebe Grüße Susi

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  3. Mein Mann ist auch ein Omni, aber wir haben nichts Unveganes zuhause. Für ihn ist das nicht schlimm, er isst zu 90% vegan und nur auf Geburtstagen, im Restaurant oder manchmal bei der Arbeit mal Milchprodukte und/oder Fleisch. Ich habe von Anfang an, als ich Veganerin wurde gesagt, dass ich kein Fleisch mehr zubereiten kann. Dass wir auch keinen Käse, Wurst und Fleisch mehr kaufen, hat mein Mann selbst entschieden. Ich habe als Vegetarier noch über 10 Jahre lang ständig für meinen früheren Partner, danach für meinen jetzigen Mann und auch für Gäste Fleischgerichte gekocht. Ich kann es leider wirklich nicht mehr. Das heißt nicht, dass Gäste sich nicht selbst etwas mitbringen können, wenn sie denken, sie brauchen das unbedingt. Ich bin da eigentlich sehr tolerant, ich glaube es hat keinen Sinn missionieren zu wollen. Ich will es nur einfach nicht mehr selbst zubereiten müssen.

    Aber Hut ab vor Deiner Entscheidung, für Gäste nicht-vegane Alternativen anzubieten. Ich bin da echt sehr froh, dass mein Mann von selbst sagt, dass wir nichts Unveganes mehr in den Kühlschrank legen ;)

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    1. Ich glaube nicht, dass ich ein Fleischgericht zubereiten könnte/wollte. Fleisch kaufen und es dem Gast hinlegen für den Grill geht und Wurst kaufe ich auch, das geht noch so gerade, aber ich möchte keine Steaks braten oder Frikadellen machen oder einen Braten oder sowas.
      Finde ich toll von Deinem Mann, dass der derart mitzieht. Der ist doch dann eher ein Veganer als ein Omni, ganz von allein.
      Da gibt es doch auch einen Blog von einem Mann der sich Homeveganer nennt, der isst daheim nur vegan und auswärtig dann auch anders. Weil es nach wie vor nicht einfach ist sich auswärts leicht vegan zu ernähren. (Wobei auch das mit der Zeit besser werden wird)
      Liebe Grüße Susi

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    2. Homeveganer, das sind mein Mann und ich auch. Langfristig möchten wir schon komplett vegan leben, aber auswärts ist es halt wirklich noch schwer. So sind wir z.B. oft auf Familienfeste eingeladen, wo es Fleisch mit Fleisch an Fleisch gibt.... Da sitzt man dann und isst Kartoffeln ohne alles, weil man "mitessen" möchte. An diesen Familienfeiern ist das gemeinsame Essen nämlich der Dreh- und Angelpunkt. Wenn ich also satt dahin käme, würde ich auch negativ auffallen. Und extra etwas anderes mitbringen, ob das nicht auch doof auffällt? Ich möchte auch Niemanden missionieren, als Miesepeter dastehen oder die vegane Lebensweise aufdrängen.
      Manchmal frage ich einfach, ob jemand zum veganen Essen zu uns kommen möchte, da kommen interessante Runden zusammen.
      Bei Kaffee und Kuchen merken es die Gäste auch manchmal gar nicht bis sie nach der Kaffeemilch fragen. Die Meisten mögen aber auch die von mir angebotene Kaffeemilch-Alternative.
      Um Weihnachten hatten wir 2 Wochen Besuch von den Schwiegereltern, die haben dann für sich ganz normal gekocht oder mein veganes Essen mitgegessen. Das haben wir vorher immer kurz besprochen und so lief es prima. An Heiligabend haben dann alle hochinteressiert auf unseren "veganen Sauerbraten" geschielt und mussten probieren :)
      Liebe Grüße Heike von den Stempelkatzen

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    3. Hallo Heike,
      was ist denn Deine Kaffeemilchalternative? Bislang komme ich mit Sojacuisine am besten klar, aber es ist nicht optimal. Kaffee darf nicht zu heiß sein und ich muss hin und wieder umrühren. Ich wollte mir mal Leha-Kaffeeweißer zulegen.

      Veganer Sauerbraten klingt unglaublich gut! Kann ich Dein Rezept irgendwo finden? Ich liebte Sauerbraten, die rheinische Variante (süßsauber, mit Rosinen) als auch den klassischen Sauberbraten, also richtig sauer.
      Liebe Grüße Susi

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    4. Hallo Susi,
      früher trank ich immer Milchkaffee. Von daher brauchte ich eher eine Vollmilch-Alternative statt einer Alternative für Kaffeesahne. Im Kaffee schmeckt mir fast nur die Sojamilch von Alnatura ungesüßt (blaues Etikett). Das ist die beste und gleichzeitig preiswerteste Alternative für mich. Manchmal flockt das auch aus wennn der Kaffee zu heiss ist, aber nicht sooooo oft.
      Das Sauertofurezept findest du hier: http://lebonheurgouteux.wordpress.com/2012/11/20/tofu-sauerbraten/
      Auch die Soja-Pflaumen-Medaillons hier sind ein Hit: http://lebonheurgouteux.wordpress.com/2012/10/03/backpflaumen_medaillons/
      Die Saucen sind unglaublich gut!!
      Liebe Grüße Heike von den Stempelkatzen

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    5. Danke Heike,
      diese Sojamilch habe ich immer da, damit mache ich morgens mein Matchashake. Dann werde ich das mal mit dem Kaffee testen.
      Bei den Rezepten gucke ich mal, vielen Dank. Sauerbraten, das ist echt ein Dingen! :-)
      Liebe Grüße Susi

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  4. Ich lebe ja mit einem omnivoren Zeitgenossen zusammen, also stellt sich die Frage für mich gar nicht. Er könnte jeden Gast fleischlich beglücken.
    Ich habe auch schon Wurst für ihn vom Einkaufen mitgebracht (Salami von Aktion Tierwohl). Ich verlink das mal nicht auf nem veganen Blog :-)
    Hat ihm sogar geschmeckt.

    Zubereiten würde ich fleischiges eher nicht wollen. Ich habe aber kein Problem damit, dass sich Tofu und Wurst im Kühlschrank eine Schublade teilen. Auch auf dem Grill dürfen die Sachen zusammen liegen, solange sie sich nicht berühren.

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    1. Das mit dem fleischlich beglücken bezieht sich auf die Nahrung, nicht auf anderes ... tssss.

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    2. :-)
      Wir haben nun zwei Grills damit sich das Essen nicht vermischt, ich mag meine Aubergine nicht dorthin legen, wo vorher ein Fisch lag. Ganz davon abgesehen, dass wir nun auch mehrere Personen schneller grilltechnisch befriedigen können. (Meine das auch nicht zweideutig)
      Aber im Kühlschrank macht mir das nichts aus, meine Sachen neben seinen.
      Liebe Grüße Susi

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  5. Hallo Susi,

    ich würde meinen Gästen nur veganes Essen anbieten. Ich möchte weder unveganes kaufen noch irgendwie zubereiten. Ich würde es ihnen aber frei stellen, sich selbst etwas mitzubringen, was nicht vegan ist. Allerdings freue ich mich, wenn das nicht sein muss ;). Meine Mutter kommt uns bald besuchen (mein Freund ist auch Veganer) und ich habe sie gefragt, ob es für sie in Ordnung ist, dass wir sie ganz vegan verköstigen und sie sagte ja (aber sie ist eh offen für sowas, im Gegensatz zu meinem Vater).
    Ich bin auch niemand, der andere anpöbelt und kann damit ganz gut umgehen, wenn jemand Fleisch oder sonstwas isst, wenn ich daneben sitze. Allerdings kann ich nicht für unfiese Kommentare garantieren, wenn mich jemand dumm anmacht wegen meinem Essen/meiner Ernährungsweise.

    Bei uns steht bald ein Familienfest an (zuerst Kaffee und Kuchen und am Abend wird gegrillt), da werde ich möglichst versuchen, mit veganen Speißen zu punkten ;).
    Ich wünsche dir jedenfalls auch viel Erfolg mit deinen veganen Speißen und hoffe, die Gäste kommen deswegen schon bald wieder! :)

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    1. danke Rebekka, Dir auch gutes Gelingen bei Deinem Familienfest!
      Liebe Grüße Susi

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  6. Der Beitrag von Rebekka könnte glatt von mir sein :-), ich biete auch nichts unveganes an, wenn ich Besuch habe. Es gibt so viele leckere vegane Sachen. Ist doch eine gute Gelegenheit zu zeigen, was es alles so gibt. Die Gäste können sich natürlich gerne etwas mitbringen, wenn sie meinen, dass sie bei mir nichts leckeres bekommen - kein Problem!

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    1. vielleicht bin ich irgendwann auch mal so weit.
      Liebe Grüße Susi

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  7. Ich sehe das Ganze ähnlich wie du bzw. bin noch ein Stück "unveganer" eingestellt; ich bereite auch Gerichte mit Fleisch, Käse etc. zu, z. B. am Geburtstag meines Freundes, der Fleisch isst. Allerdings habe ich auch nicht das "Problem", dass ich mich davor ekele. Dann würde ich es auch nicht machen - ebenso vermutlich nicht, wenn mein Freund ebenfalls Veganer oder Vegetarier wäre. So ist es aber ein schöner Weg, um unseren Gästen zu zeigen, dass ich tolerant bin - dementsprechend wird auch mir Toleranz entgegengebracht, wenn ich dann eben etwas anderes esse. Und ein paar vegane Dinge landen ja trotzdem immer mit auf dem Tisch. Vermutlich kommt es auch auf die Gäste an und darauf, wie aufgeschlossen sie sind und ob sie es als unhöflich empfinden würden, sich selbst Fleisch mitbringen zu müssen.

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  8. danke für Deinen Kommentar CH.
    Ich ekele mich auch noch nicht, kommt vielleicht noch. Ich fühle mich nur unwohl beim Kauf und beim Zubereiten, ich denke dann immer, das arme Tier. Das war aber immer schon so. Trotzdem habe ich es gegessen, schon seltsam der Mensch.
    Liebe Grüße Susi

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